Wie bitte?

Das Werk der Zubläser und Denunzianten
Josef Imbach OFM wurde aus Rom verbannt und als Theologieprofessor suspendiert.

Der Franziskanertheologe ist (wahrscheinlich wegen seines Buches über "Wunder") auf Anordnung der Vatikanischen Glaubensbehörde durch seinen Ordensoberen Joachim Giermek aus Rom verbannt und von seinem theologischen Lehrstuhl entfernt worden - zunächst für ein Jahr, wie es heißt (vgl. imprimatur 35, 2002, S. 76 f "Unfaires Spiel: 5:0 für den FC Ratzinger"; Heft 2). - Josef Imbach:

Eigentlich steht in diesem Buch überhaupt nichts, was nicht auch an den theologischen Fakultäten allgemein gelehrt und vertreten wird. Die Bedenken der Glaubenskongregation musste ich einem anonymen Gutachten entnehmen, in dem schlimme Unterstellungen enthalten sind. Daraus muss ich schließen, dass der Gutachter oder die Gutachterin mein Buch gar nicht gelesen hat.

Es wurde mir unter anderem vorgeworfen, nicht an die Gottheit Jesu zu glauben, das kirchliche Lehramt abzulehnen, die Evangelien in ihrer Gesamtheit als katechetische Beispielerzählungen zu qualifizieren und die Möglichkeit von Wundern überhaupt auszuschließen. Derartige an Bösartigkeit grenzende Unterstellungen sind nicht haltbar. An vielfältigen Beispielen ließe sich zeigen, dass das anonyme Gutachten zu meinem "Wunder"-Buch sehr fahrlässig abgefasst wurde. In einem Artikel in der Zeitschrift Kirche intern hatte ich deshalb bereits im Oktober 2000 die Frage aufgeworfen, ob die Glaubenskongregation nicht auch die Gutachten der Gutachter begutachten lassen müsste.

Das größte Problem liegt darin, dass die Aufseher der Glaubenskongregation auf geheimdienstliche Methoden setzen, womit das ganze Verfahren in einem undurchsichtigen Dunstkreis verläuft. Die Namen der Zubläser und Denunziantinnen werden verheimlicht; die Gutachter sind anonym und es gibt im ganzen Verfahren keine Gewaltentrennung. Ich hatte keine Garantie, ob die Gutachtenden meine Entgegnungen überhaupt zu Gesicht bekamen. So blieb mir nichts anderes übrig als die anonym Operierenden auf dem Umweg über die Öffentlichkeit zu erreichen.

Der Generalobere meines Ordens der Franziskaner-Konventualen, Pater Joachim Giermek, hat mir in einem Gespräch im vergangenen Dezember ausdrücklich erklärt, dass er mich wegen meines im Oktober 2000 in der Zeitschrift Kirche intern erschienen Artikels, in welchem ich gegen die Methoden der Glaubenskongregation energisch protestiere, und zwar auf speziellen Druck des Sekretärs der Glaubenskongregation, Msgr. Tarcisio Bertone, für ein Jahr von meiner Lehrtätigkeit suspendieren und von Rom wegschicken müsse.

Dahinter steckt im Wesentlichen ein Sprachproblem. Solange ich mich als Theologe in metaphysisch-scholastischen Kategorien ausdrücke, habe ich keine Schwierigkeiten mit Rom. Mit einer solchen Insider- und Ghetto-Sprache, die nur von einigen wenigen Eingeweihten verstanden wird, kann ich das Volk Gottes kaum erreichen. Meine Aufgabe als Theologe besteht wesentlich auch darin, Übersetzungsarbeit zu leisten. Was heißt Erlösung für die heutige Welt? Was bedeutet der Begriff Gnade? - Es genügt nicht, einfach Glaubensformeln zu wiederholen, so rechtgläubig diese Formeln auch sein mögen - ich muss sie übersetzen.

Viele Theologen wagen es heute nicht mehr, ihre Erkenntnisse einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen, weil sie befürchten müssen, dass ihre Positionen vom Lehramt zu ihren Ungunsten ausgelegt werden. Unter solchen Voraussetzungen können aber in der Kirche keine kreativen Ideen entwickelt werden. Damit dreht sich die ganze Theologie nur noch um sich selbst, statt um die Menschen und um Gott.

Aus dem Interview, das Josef Imbach der Neuen Luzerner Zeitung gegeben hat (22.3. 2002)

Quelle: http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2002/imp020308.html

*

5:0 für den FC Ratzinger
So kommt es, wenn man die Römer in den eigenen Strafraum eindringen lässt

Ihr solltet euch mal gelegentlich ein Fußballspiel ansehen, Ihr Bischöfe, dann wüsstet Ihr, was ein Strafraum ist, und dass besonders die Verteidiger da vorsichtig mit dem Ball umgehen müssen. Am besten, indem sie selbst zum Angriff übergehen. Angriff ist die beste Verteidigung, Ihr wisst schon. Leider habt Ihr schon das Mittelfeld dem Gegner überlassen, habt Euch in der eigenen Hälfte einschnüren lassen und seid nicht zweikampfstark. Diese dauernden Ballverluste! Überhaupt: Ihr kämpft nicht, wahrscheinlich fehlt Euch die Kondition. Deshalb seid Ihr seit mehreren Spielzeiten in der Defensive; die Tore schießen (von gelegentlichen Selbsttoren abgesehen) die römischen Stürmer. Ihr habt sie in Euren Strafraum eindringen lassen, und da ist es zu spät. Das Spiel der letzten Woche endete 0:5!

Bis zum 1:0 haben einige von Euch (ganz wenige) nicht schlecht gespielt. Immerhin konnte man meinen: Franz Kamphaus, der siebzigjährige Veteran mit so viel Spielerfahrung rettet Eure Ehre; von ihm ging tapfere Gegenwehr aus. Aber Ihr habt ihn im Stich gelassen, wie sollte er das Spiel allein herumreißen? Man sollte Euch die Gehälter kürzen. Viele Fans werden von der Fahne gehen. Jetzt heißt die Frage schon wieder: schaffen wir den Klassenerhalt? Ist der Abstieg noch vermeidbar?

Danach setzten sich die Gegner in Eurem Strafraum fest, Ihr Schwächlinge. Das wahrscheinlich spielentscheidende 2:0 schossen wiederum die vaticanisti, aus spitzem Winkel (der Papst soll es selbst geschossen haben). Es fiel gegen Josef Imbach, den Franziskanerpater aus der Schweiz und Professor in Rom, 56 Jahre alt. Er darf jetzt keine Vorlesung mehr halten und wird für zwölf Monate aus Rom verbannt (also, wenn ich mir eine persönliche Bemerkung erlauben darf: das würde ich aushalten). Was man ihm vorwirft, weiß Professor P. Imbach OFM nicht genau, es hat ihm niemand das sogenannte Gutachten gegen sein "Wunderbuch" gezeigt, geschweige denn: ihn darin lesen lassen (1995 hat er in einem volkstümlichen Buch die neutestamentlichen Wunder angeblich (nein, nicht: tatsächlich) geleugnet und sogar unzulässig (weil: in der Sprache heutiger Menschen) die metaphysische Gottessohnschaft Jesu erklärt; er sagte nämlich etwa so: Jesus stand in einer einmaligen Beziehung zu Gott, wie sie kein Mensch je gehabt hat.Die römische Behörde ("Glaubenskongregation"), die Imbach abgestraft hat, hat kein Wort zu ihm gesagt, geschweige denn an ihn geschrieben. Imbach beklagt sich, dass er nur über seinen Ordensoberen, den Franziskanergeneral mündlich Nachricht bekommen habe: er nennt es "Denunziation, Verschleierung und Geheimdienstmethoden". Imbach: Im römischen System "gibt es immer weniger Denkspielraum. Die Luft ist so dick, dass man kaum mehr atmen kann". Imbach will von der Glaubenskongregation verlangen, ihre schlimmen Unterstellungen zurückzunehmen, aber er sieht kaum Chancen - es ist nämlich wieder wie beim Fußball. Wer gegen sogenannte Tatsachenentscheidungen des Schiedsrichters beim Deutschen Fußballbund protestiert, bekommt ein hilfloses Schulterzucken. - Immerhin können wir, seine Fans, zu seiner Rehabilitation beitragen: wir veröffentlichen im nächsten imprimatur-Heft seine Bücherliste (nicht nur die Kochbücher), zum Kaufen, Lesen, Verschenken.

Bis zum 3:0 - das war nur eine Frage der Zeit. Dieses Mal fiel es gegen den Benediktinerpater Willigis Jäger aus Münsterschwarzach. Er versteht es, zwölf Stunden am Tag ruhig zu sitzen, zu atmen und - zu schweigen, und was noch viel gefährlicher ist: er vermag, andere Menschen anzuregen, es ihm nachzutun! Das zeigt, warum Ratzinger nicht zuwarten durfte.

P. Willigis Jäger OSB ist seit 55 Jahren im Kloster. Der 76jährige Mönch musste jetzt dem Kardinal Ratzinger schriftlich versprechen, auf alle Vorträge, Aufsätze und Seminarübungen zu verzichten. Vorausgegangen waren ein Jahr halbherzige Abwehrversuche (das sind: Gespräche zwischen dem Würzburger Bischof Scheele, seinem Generalvikar Hillenbrand und der Glaubenskongregation in Rom). Es nutzte aber nichts, denn auch hier hatte man Ratzinger in den eigenen Strafraum eindringen lassen - statt ihm rechtzeitig den Ball wegzuschlagen. Es fand sich kein entschlossener Verteidiger, als Ratzinger behauptete, Jäger treibe zuviel Buddhismus ("Zen") und verliere bei seinen mystischen Wegen den "christlichen personalen Gottesbegriff" aus den Augen - denn bei Gott persönlich kennt sich Ratzinger aus.

Tatsächlich hatte (nein: hat!) Willigis Jäger nicht geringen Einfluss, daran ändert auch Ratzingers Pressschlag nichts. 1983 hat Pater Jäger im Schwarzwald ein "Zentrum für spirituelle Wege" gegründet; die Kurse für Meditation und Kontemplation haben Jahr für Jahr tausende Besucher. Jäger ist ein zu erfolgreicher Anreger - das wird Ratzinger auch in Zukunft beunruhigen.

Zwei Selbsttore zum 4:0 und zum vorläufigen Endstand 5:0 sind uns in den letzten Wochen aus Trier bekanntgeworden:

Der aktive Schulleiter des angesehenen Bischöflichen Gymnasiums in Saarbrücken wurde mit Hausverbot aus dem Amt gewiesen, vielleicht, weil der Amtsleiter im Generalvikariat zu Trier seiner persönliche Animosität freien Lauf ließ - jedenfalls sind keine anderen Gründe bekanntgeworden; der Gemaßregelte scheint so kirchenfromm zu sein, dass er vor Rechtsmitteln zurückschreckt.

Und dann der luxemburgische Diakon Nico Waterloo, der im trierischen Kirchendienst seit vielen Jahren als Polizeiseelsorger arbeitete. Die Kirchenbehörde entließ ihn ohne einen Grund anzugeben, rechnete aber nicht mit dem heftigen Widerstand der Polizisten im Land. Waterloo galt ihnen seit vielen Jahren als vorbildlich.

Das Team der deutschen katholischen Bischöfe wird wohl absteigen, wenn kein Wunder passiert.

© imprimatur März 2002


Quelle: http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2002/imp020207.html